Gegen das Vergessen - NS-Verbrechen im Heyl'schen Wäldchen

Am Nachmittag des 16. Septembers 1942 ereignete sich in der Gemarkung Bobenheim ein schweres NS-Verbrechen.

In der sogenannten „Pfingstwiese“ im Heyl’schen Wäldchen wurde der 31-jährige polnische Zwangsarbeiter Andrej Machowski an einer Esche erhängt. Man legte ihm sexuelle Beziehungen zu deutschen Frauen zur Last. In der Sprache der Nationalsozialisten war das „Rassenschande“ gemäß den 1935 erlassenen „Nürnberger Gesetzen“. Selbst die gewählte Baumart war rassenideologisch begründet. Die „Weltenesche“ sollte dem sogenannten „slawischen Untermenschentum“ symbolisch den Tod bereiten. Bei der Hinrichtung mussten sämtliche Zwangsarbeiter zusehen, ebenso die örtlichen NS-Funktionäre, die SA-Mitglieder, der örtliche Feuerwehrführer und ein Vertreter der Polizei. Die Öffentlichkeit war unter Strafandrohung ausgeschlossen. Trotzdem gab es heimliche Zeugen.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen der Geheime Staatspolizei (Gestapo) gegen Andrej Machowski durch einen abgefangenen Brief. Im Zuge der Verhöre wurden weitere vormals in Bobenheim eingesetzte Zwangsarbeiter sowie zwei Bobenheimer Frauen der „Rassenschande“ beschuldigt. Vier der beschuldigten Polen wurden in Konzentrationslager deportiert, zwei weitere zur Erhängung verurteilt. Die beiden deutschen Frauen wurden ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Gedenktafel durch die geschichtsbewusste Familie von Heyl an ebenjener Esche aufgehängt. Der Baum fiel im Jahr 2024 dem Eschentriebsterben, einer Baumkrankheit, zum Opfer. Im Jahr 2026 ließ Ludwig von Heyl jun. die Tafel restaurieren und an einem besser einsehbaren Ort am Rande des Wäldchens anbringen. Sie wurde am 16. September 2026, dem 84. Todestag von Andrej Machowski, enthüllt. Mögen diese Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten und sich niemals wiederholen!