Sonntag, 01. November 2026
Grußworte November 2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
er gehört wohl unbestritten zu den bekanntesten und auch beliebtesten Heiligen. Unzählig sind die Legenden, die sich um ihn ranken und wohl jedes Kind wird die anrührende Geschichte der Mantelteilung kennen. Sie werden es wohl längst erraten haben, ich meine den Heiligen Martin. Ebenso wie diese Geschichte hat sich auch das Bild des hoch zu Ross sitzenden Soldaten eingeprägt.
Die historische Gestalt des Heiligen Martin hat ihre Licht- und Schattenseiten. Als getaufter Christ verweigerte er den Militärdienst und zog sich als Einsiedler zurück. Da sich ihm viele anschlossen, gab er die Einsiedelei auf und gründete Klöster in Gallien. Eines davon auch in der Nähe von Tour, wo er, wie bekannt, später Bischof wurde. Das Leben im Kloster war nicht nur durch besinnliches Beten und mühsame Arbeit geprägt. Seine Mitbrüder und er bildeten eine Art Guerillagruppe, die die Christianisierung der Landbevölkerung dadurch voranbringen wollten, dass sie die heidnischen Kultstätten zerstörten und an ihrer Stelle Kirchen errichteten.
In seiner Zeit war die Kirche bereits Staatskirche geworden. Im Jahre 385 wurde Bischof Priscillian von Ávila in Trier bei Kaiser Magnus Maximus wegen Häresie angeklagt. Auf Betreiben Martins beendete Maximus den Prozess, ließ ihn aber nach der Abreise Martins wieder aufnehmen und Priscillian zum Tode verurteilen. Als Martin von der Hinrichtung erfuhr, protestierte er beim Kaiser scharf gegen dieses Vorgehen. Ebenso verweigerte er den beteiligten Bischöfen die eucharistische Gemeinschaft.
Der Heilige Martin, eine Persönlichkeit mit Licht- und Schattenseiten. Die einfache Botschaft der Legende, dass es zum Wesen des Christentums gehört, sich solidarisch den Ärmsten zuzuwenden, wird ihre bleibende Bedeutung behalten. Sie ist gerade in unserer Zeit von äußerster Wichtigkeit. Ebenso wichtig scheint mir eine weitere Facette dieses Heiligen zu sein. Was unsere Zeit ebenso dringend benötigt, sind Zeuginnen und Zeugen, die jede Form von Verfolgung und Gewalt im Namen der Religion ablehnen und ächten.
Dass heute kulturelle Vielfalt, die Anerkennung der überlieferten Traditionen, die Verschiedenheit der Lebensentwürfe, das Bemühen um Dialog und Verständnis tragende Säulen unserer freiheitlichen Grundordnung bilden, müssen wir wohl nicht nur dem Heiligen Martin und seiner Gefährten heute mutig abringen.
Es könnte daher an der Zeit sein, auch diese Aspekte des Heiligen Martin verstärkt ins Bewusstsein zu rufen. Ihn nicht nur als Heiligen der Nächstenliebe, sondern auch als Anwalt zu verstehen, dass weder im Namen einer Religion noch Weltanschauung Verfolgung, Diskriminierung und Unrecht ausübt werden dürfen. Uns immer wieder auf den oft mühsamen und langen Weg des Dialoges, der Verständigung und der Offenheit auf Gottes Vision für unsere Zeit zu begeben.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen den guten Segen Gottes. Hoffen wir gemeinsam, dass die grundlegenden Werte der Solidarität, der Freiheit, der Würde jedes Menschen und der Hochachtung vor dem Frieden unser Zusammenleben nachhaltig bestimmen. Ich bin mir sicher, dass wir heute den Heiligen Martin als Fürsprecher gewinnen würden.
Herzlichst
Markus Hary





