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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden die zur Pfarrei Hl. Petrus Bobenheim-Roxheim gehören.


Hl. Kreuz, St. Peter, St. Nikolaus Beindersheim

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St. Laurentius Bobenheim

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St. Leodegar Gerolsheim

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St. Martin Heßheim

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St. Maria Magdalena Roxheim

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Ortsrand Beindersheim mit Blick auf beide Kirchturmspitzen
Dorfbild mit Blick auf die Kirche St. Laurentius Bobenheim
Dorfbild Gerolsheim mit Blick zur kath. Kirche St. Leodegar
Ortsrand Heßheim mit Blick auf die Kirche St. Martin
Ortsrand Roxheim mit Blick zur Pfarrkirche St. Maria Magdalena Roxheim

Mittwoch, 01. Juli 2020

Übrigens, auch Lesen ist schön

N. Schwarz GemeindebriefDruckerei.de

Grüße für die Urlaubszeit

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Angehörige der Pfarrei Hl. Petrus,
liebe Schwestern und Brüder,

in Gedanken lege ich sie mir schon zurecht, diejenigen Bücher, die ich im Urlaub lesen möchte. Es sind ‚dicke Schinken‘, die Zeit brauchen oder ‚harte Kost‘, die neben Zeit und Ruhe, auch die Atmosphäre der Andacht benötigen. Urlaub, dies bedeutet für mich, auch Zeit fürs Lesen zu haben.

Vielleicht lesen Sie im Urlaub ja auch gerne. Ich möchte Ihnen die Bücher von Lorenz Marti nicht nur in Ihr Urlaubsgepäck, sondern auch ans Herz legen. Warum? Zunächst, weil ich ihn und seine Art zu schreiben schätze. Seine Leichtigkeit, mit der er mich, den Leser, in die tiefen Geheimnisse des Lebens und der spirituellen Traditionen führt. Alltägliches lüftet er, ja weitet er, um darin den diskreten Charme einer Weisheit zu entdecken, die ich mit Gott in Verbindung bringe.

Mein Hinweis hat noch einen anderen Grund. Mich überraschte die kurze Nachricht, dass Lorenz Marti am 27. Mai 2020 plötzlich verstorben sei. Ich hatte auf seiner Homepage gestöbert. Predigtvorbereitung und kein zündender Gedanke. ‚Schau doch mal bei Marti nach‘, dachte ich, fand keinen Hinweis auf seinen Tod, wohl aber wieder erfrischende Gedanken. Da sich Google meine Suche bei Lorenz Marti gemerkt hat, erschien bei der nächsten Eingabe der kurze Hinweis auf seinen Tod. Er hätte aus dieser Begebenheit sicher einen wunderschönen Text geschrieben.

Sein letztes Buch trägt den Titel: ‚Türen auf! Spiritualität für freie Geister‘. Darin umschreibt er Spiritualität “ ... als langer, entspannter Blick auf das, was jetzt ist. Er bleibt nicht an der Oberfläche haften. Er geht in die Tiefe.“[1] Spiritualität hat also etwas mit Wahrnehmung zu tun. Damit, wie ich meine Welt um mich herum wahrnehme, aber auch mit welchen Sinnen.

Wir unterscheiden in der Regel fünf Sinne: das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Tasten. In unserer Kultur ist der Sehsinn besonders ausgeprägt. Dies könnte der Grund sein, warum Lorenz Marti Spiritualität mit dem Blick, dem Sehen in enge Verbindung gebracht hat. Ich meine, dass Spiritualität alle Sinne umfasst, sich aller Sinne bedient, uns so die Vielfalt unserer Wirklichkeit eröffnet und weitet in die Unermesslichkeit Gottes. Dies spiegelt sich in unseren Traditionen wider. Festliche Gottesdienste sprechen fast alle Sinne an. Und wer hat nicht die lange Schlange vor der Petrusstatue im Petersdom betrachtet und beobachtet, wie Pilgerinnen und Pilger den Fuß berühren. Gottes Wirklichkeit ist so groß, dass wir sie mit all unseren Sinnen erahnen dürfen.

Kehren wir zur Urlaubszeit zurück. Sie mag in diesem Jahr für viele anders sein als geplant. Sie könnte eine Zeit sein, die nicht nur zur Lektüre von spirituellen Texten einlädt, sondern als spirituelle Entdeckungsreise genutzt werden könnte. Urlaub als eine Expedition in die unermessliche Weite unseres Gottes, der uns ‚von allen Seiten umgibt‘ (vgl. Ps 139,5) und daher auch mit all unseren Sinnen erahnt werden kann. Dabei kommt es, wie es Lorenz Marti betont, auf das wie an.

Gott ist mir das staunenswerte Geheimnis, aber auch ein diskreter Charmeur, der mich unaufdringlich bezaubern und beglücken möchte. Gott ist für mich ein Meister der leisen Töne, der achtsamen Gesten, der verborgenen Schönheit, des flüchtigen Hauchs und des delikaten Geschmacks. Weil er dies alles und noch viel mehr für mich ist, daher ist er mir auch ein treuer Urlaubsbegleiter, eine charmante Urlaubsbegleiterin.

Nutzen Sie Ihre Urlaubszeit für diese Expedition in die unermessliche Liebenswürdigkeit und überraschende Unerschöpflichkeit Gottes. Seien Sie bei allem achtsam, denn auf das wie kommt es an.

Gönnen Sie sich ein kühles oder schmackhaftes Getränk. Kosten Sie es aus, stürzen es nicht einfach herunter, sondern schmecken Sie die Kostbarkeit bis zum letzten Tropfen. Berühren Sie mit einer liebevollen Geste einen für Sie kostbaren Menschen. Lassen Sie sich in der Abenddämmerung vom kühlen Wind umwehen und erspüren Sie seine Zärtlichkeit. Ihnen fallen sicher noch viele spirituellen Übungen ein, die Ihnen deutlich machen: Gott meint es gut mit mir.

Ich werde in meinem Urlaub die eine und andere Expedition machen, mich meiner Lektüre widmen und an Lorenz Marti denken. Mit seinem diskreten Charme, dies hat er in mein Herz geschrieben, möchte mich Gott beglücken, mich durch den Zauber des Alltäglichen zum Staunen bringen, die mir eine heilsame Leichtigkeit und Gelassenheit schenkt.

Im Namen des Pastoralteams und der Sekretärinnen wünsche ich Ihnen eine erholsame Urlaubszeit.

Mit den herzlichsten Segenswünschen

Markus Hary

Pfarrer


[1] Lorenz Marti, Türen auf! Spiritualität für freie Geister, Freiburg i. Br., 2019, S. 14

 

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